Atempause
Unterschätzt
In der Atempause im neusten Maestro macht sich Theo Martin Gedanken zur Entwickung der Blasmusik. Er ist BDV-Präsident und war OK-Mitglied des Eidgenössischen Musikfests in Biel.
Nach dem EMF hat mir eine Arbeitskollegin gestanden, den Anlass unterschätzt zu haben. Die Vielfalt der Musik von Wettstück bis Rahmenprogramm und die Freude der Musizierenden hätten sie begeistert.
Ich glaube, etwas Besseres kann uns gar nicht passieren. Wenn Fremde auf uns aufmerksam werden, ist ein Hauptziel erreicht: unsere Tätigkeit bekannter zu machen, unseren Stellenwert zu verbessern, andere Bevölkerungsschichten anzusprechen.
Eine Stossrichtung des EMF war, das enge Blasmusik-Korsett aufzubrechen. Der Festperimeter war erfüllt von Musik – von Klängen, die weit über die traditionelle Blasmusik hinausgingen. Das OK wollte zeigen, wie vielfältig geblasene Musik sein kann. Müsste dieser Teil, der gerade auch die Jungen begeistert, an künftigen Musikfesten nicht genauso integriert werden wie die traditionellen Wettspiele?
Es geht darum, alle mitzunehmen. Das heisst aber auch, die Tradition nicht zu verleugnen. Im Rahmenprogramm hatten auch Blaskapellen und Schweizer Garde ihren Auftritt. Was aber wirklich auffiel, ist die Begeisterung für die Parademusik. Das war gerade in Biel nicht zu erwarten. Doch das Publikum stand dicht gedrängt an den beiden Marschmusikstrecken und liess sich nicht einmal von den kurzen Regenschauern vertreiben.
Gerade diese Mischung zeigt, wohin sich unsere Szene entwickeln kann: offen, vielfältig und dennoch verwurzelt. Wenn es gelingt, Tradition und Innovation gleichwertig nebeneinanderzustellen, wird die Blasmusik nicht nur bestehen, sondern weiterwachsen. Unsere Szene ist dann am stärksten, wenn sie sich zeigt, statt sich abzugrenzen.
Die Atempause ist vorgängig bereits im Maestro 3.26 (Unisono vom Juli) erschienen.