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Schweizer Blasmusik-Dirigentenverband

Porträt

Kleine Gäste, grosser Klang

06. November 2026
von Theo Martin
Kompositionen von Evi Güdel-Tanner ermöglichen lustvolles Lernen. Ihre humorvollen Werke sollen nicht nur Kinder bespassen, sondern die ganze Familie ansprechen.

Die in Flühli aufgewachsene Evi Güdel-Tanner hat das Lehrerseminar Hitzkirch besucht und dort viele Instrumente belegt. Danach liess sie sich am Konservatorium Luzern zur Blasmusikdirigentin Typ B ausbilden. Ihren Lehrern hat sie schon früh signalisiert, dass sie zwar dirigieren können wolle, aber nie einen Verein übernehmen werde.

So ist es auch gekommen. Die Luzernerin hat zwar viele Proben geleitet. Daneben hat sie aber auch immer viel gespielt – unter anderem in der Stadtmusik Willisau und im Blasorchster Neuenkirch bei Isabelle Ruf-Weber, wo sie deren Vorstellung vom orchestralen Klang verinnerlichen konnte. Spannend ist es für die Komponistin, wenn sie sich in einer Probe fragen kann, ob es funktioniert, was sie geschrieben hat. Oder ob sie etwa eine Instrumentation ändern müsste, um die Intonationsprobleme zu umschiffen … 

Komponiert hat sie schon als Kind – beispielsweise wenn sie mit Mutters Zwei-Kanal-Tonband zuerst die eine Stimme aufgenommen und dann die zweite dazu improvisiert hat.  Seit 1999 widmet sie sich ausschliesslich dem Komponieren und Arrangieren. Bearbeitungen für Sinfonieorchester, Filmmusik, Musikschulen, Chöre, Blasmusik und Kleinformationen sind ihre Hauptbeschäftigung. Ein bekannter Auftraggeber ist Nicolas Senn.

Evi Güdel-Tanner komponiert nur, wenn sie weiss, dass das Werk auch aufgeführt wird. Für etwas anderes hätte sie gar keine Zeit. Dafür schätzt sie dann den intensiven Austausch, wenn sie eine neue Komposition im Verein vorstellen kann – wie zuletzt in St. Urban und bei der Feldmusik Triengen mit der Musikzauberfee Cantabile.

Ein wichtiger Pfeiler ihrer Arbeit ist ihr Tandel-Verlag. Evi Güdel-Tanner gibt alle Arrangements und Kompositionen selbst heraus und erledigt auch Notensatzarbeiten. So kann sie die Auslieferung punktgenau auf den Besteller ausrichten. Denn die heute mit ihrem Mann in Bubendorf lebende Komponistin bezeichnet sich selbst als praktisch veranlagte Person («Es muss funktionieren»). Das für Musikschulen geschriebene «Musik-Zauberschloss» beispielsweise ist mit einer Probe machbar. Auch im «Musikzauberhof» werden auf witzige und tierische Art Instrumente vorgestellt – Hauptmoderatorin ist eine Kuh. Die Verbindung mit Lerninhalten funktioniert – die Kinder sind jeweils während der ganzen Aufführung voll dabei.

Kinderkonzerte sind im Trend und ein wichtiger Bestandteil für Evi-Güdel-Tanner. Wichtig ist ihr aber, dass die Kinder nicht einfach bespasst werden, sondern «klare Hörerlebnisse» verinnerlichen können. Diese Werke sollen stets auch eine Brücke zum Instrument schlagen und lustvolles Lernen ermöglichen.

 

Ein Luzerner Auftrag

Im Auftrag des Luzerner Kantonal-Blasmusikverbands schreibt Evi Güdel-Tanner gegenwärtig ein Familienkonzert für Vereine der dritten Klasse. Die Moderation ist so angelegt, dass sie intern zu bewältigen ist. Das Werk ist wie die meiste Musik der Luzernerin auch mit einer unvollständigen Besetzung spielbar. Die Uraufführung soll am 7. März 2027 am Kids Day Blasmusik in der Umgebung von Sursee erfolgen. Wie immer bei Evi Güdel-Tanner kommt «ein knackiger Titel» erst am Schluss dazu.

 

Dieses Dirigentinnen-Porträt ist für das Maestro IV/26 erschienen, das dem Unisono vom November beiliegen wird. 

Evi Güdel-Tanner. Bild: Rita Pauchard

Urauffuehrung Musikzauberhof: Musikschule Rottal mit Raya Sarontino, ein Werk von Evi Guedel-Tanner. Bild: Roman Beer